Anweisungen und Tipps zur Beimpfung

Bei richtiger Anwendung von Mykorrhiza-Impfstoffen können einerseits optimale Impferfolge erzielt werden, andererseits kann auf diese Weise der Impfstoff sparsam und effektiv genutzt werden.

Anwendungen zur Saat oder zur Pflanzung

Beimpfung nach der Pflanzung

Hilfreiche und schädliche Maßnahmen zur und nach einer Beimpfung

Anwendungen zur Saat oder zur Pflanzung:

Bei der Aussaat:

In der Baumschule oder bei der Anzucht im Pflanzgefäß sollte der Mykorrhiza-Impfstoff möglichst so abgelegt werden, dass die Keimwurzel den Impfstoff durchwächst oder zumindest nach kurzer Zeit erreicht.  Hierbei kann man als Maß für die Ablagetiefe unter dem Saatgut dessen 1,5- bis 2-fache Höhe annehmen. Bei Eiche also ca. 5 – 6 cm, bei Buchen ca. 2-3 cm. Bei sehr feinkörnigem Saatgut  kann man den Impfstoff direkt zur Saat dazugeben oder man hält ca.  1 cm Abstand ein.

Damit eine gleichmäßige Impfstoffverteilung beim Ablegen erreicht wird, kann der Impfstoff 1:2 bis 1:10 mit Sand oder Sand-/Torf-Gemisch gestreckt werden. Oft kann hierdurch der Impfstoff wie eine Unterfußdüngung maschinell abgelegt werden.

Eicheln

Bucheckern

Kiefern-Samen

Beim Umtopfen:

Eine sehr günstige Situation ergibt sich beim Umtopfen. Hier sind die Pflanzen noch recht klein und die Feinwurzeln liegen beim Herausnehmen aus dem alten Topf in großer Anzahl offen vor uns. Genau an die Feinwurzeln soll der Impfstoff appliziert werden. Einzelne Pflanzen werden durch Aufstreuen beimpft. Bei größeren Mengen kann man die Topf-Ballen über den Impfstoff rollen und die Pflanzen dann direkt in den neuen Topf pflanzen.

Pikierplatte für 84 Sämlinge

Beim Umtopfen liegen die Feinwurzeln offen – hier kann der Impfstoff direkt aufgebracht werden

Nach der Impfung entstehen die ersten Mykorrhizen nach einigen Stunden, effektiv sind sie nach ca. 6 Wochen

Beim Auspflanzen von Sämlingen und Heistern:

Sämlinge als Containerpflanzen oder als wurzelnackte Pflanzen können direkt beim Auspflanzen mit Mykorrhiza-Impfstoff versorgt werden. Die Aufwandmenge pro Pflanze hängt hierbei von der Pflanzgröße und der Ausbildung des Wurzelwerks ab. Für sehr kleine Sämlinge reichen ca. 2 ml, mittelgroße erhalten 5  ml und große Sämlinge 10 – 20 ml Impfstoff.

Für trockene Standorte oder wenn das Wässern am Standort nicht sicher durchgeführt werden kann empfiehlt sich das Zumischen von Wurzelschutzgel (Stockosorb) zum Impfstoff. In das kleisterartig angerührte Wurzelschutzgel mit Impfstoff können die Bündel wurzelnackter Sämlinge oder auch die Containerpflanzen mit ihren Wurzeln eingetaucht werden. Dies gibt einen optimalen Verdunstungsschutz bis zur Pflanzung und hilft während der Anwuchszeit gegen das Vertrocknen.

50 – 100 g Wurzelschutzgel und 200 – 300 ml Mykorrhiza-Impfstoff in 10 l Wasser einmischen. 30 min. quellen lassen.

Bündel wurzelnackte Forstpflanzen oder Containerpflanzen eintauchen

Das Impfstoff-Gel-Gemisch reicht für ca. 100 Forstpflanzen

Bei der Pflanzung von Hochstämmen, Alleebäumen, Stammbüschen und Solitärbäumen:

Hier gilt die Regel 2/3 der Impfstoffmenge auf die Ballenflanken aufstreichen und 1/3 unter den Ballen ausstreuen. Auch hier kommt es darauf an, den Pilzpartner möglichst dicht an die Feinwurzeln des Baumes zu bringen. Das Ballentuch braucht hierzu nicht entfernt werden. Für die feinen Pilzfäden stellt das grobe Gewebe keine Barriere dar.

Pro 7 cm Stammumfang werden 100 ml Impfstoff berechnet.

Somit erhält z. B. eine Eiche (STU = cm Stammumfang)

2/3 auf die Ballenflanken
  
  
  
  
  
  
1/3 direkt unter den Ballen

Fertig gepflanzte Alleebäume

Hecken:

Bei der Pflanzung von Hecken kann gegenüber der Pflanzung von Einzelpflanzen ca. 30 – 40 % Impfstoff eingespart werden. Dadurch dass das Wurzelwerk von benachbarten Pflanzen sich fast berührt und frisch „ausgetriebene“ Feinwurzeln sehr schnell den gemeinsamen Wurzelraum erschließen, kann die PilzInfektion hier sehr effektiv erfolgen.

Auch hier sollte 1/3 des Impfstoffs ins Pflanzloch („Pflanzgraben“) unter die Wurzeln abgelegt werden und 2/3 an die Ballen. Dies kann wieder durch Aufstreuen oder Rollen im Impfstoff erfolgen. Auch bei Heckenpflanzungen hat sich die Anwendung von Wurzelschutzgel an allen nicht vernässten Standorten bewährt.

Rosen, Kletterpflanzen, Rhododendren und Großsträucher:

Bei diesen Gehölzen orientiert man sich für die Berechnung der Impfstoffmenge an der Container- oder Ballengröße.

Bis 10 l Containervolumen werden pro Liter Substrat 15 ml Impfstoff berechnet.

Über 10 l Containergröße 10 ml je Liter Substrat.

Beimpfung nach der Pflanzung:

In der Baumschule:

Jungpflanzen: Bereits ausgetrieben Reihen von Gehölzen können auch nach der Saat  beimpft werden. Hierzu zieht man eine Rille so dicht entlang der Reihe, dass gerade die ersten Feinwurzeln sichtbar werden. Hier kann dann der Impfstoff eingestreut werden (auch mit Sand oder Substrat (+Wurzelschutzgel)) vermischt. Danach wird die Rille mit dem „Aushub“ wieder verfüllt.

Die Kultur sollte möglichst noch eine Vegetationsperiode Standzeit haben, damit die Mykorrhizierung ausreichend Zeit hat, sich an den Feinwurzeln auszubreiten.

Reihenpflanzungen können mit einer Rillenbeimpfung nachträglich mit Mykorrhiza versorgt werden

Die Kulturen sollten nach der Beimpfung mindestens noch eine Vegetationsperiode am Standort verbleiben

Alleebäume …  während der Produktion: Der einfachste und effektivste Zeitpunkt ist bei der Verpflanzung gegeben, hier ist der Arbeitsaufwand für die Beimpfung sehr gering. Aber auch wenn Ware noch ein oder zwei Vegetationsperioden vor dem Verkauf stehen, können diese Gehölze durch Einstiche mit dem Spaten (im Nahbereich des Ballens) effektiv mit einer geeigneten Mykorrhiza versorgt werden.

Nach der Verpflanzung kann auch in der Baumschule durch eine Spatenbeimpfung eine Mykorrhizabeimpfung nachgeholt werden

Altbaumbeimpfung mit Hilfe von Spaten:

Alleebäumen … am endgültigen Standort:

Auch bereits gepflanzte Gehölze können noch mit einfachen Mitteln mit Mykorrhiza-Impfstoff versorgt werden. Bei frischen Pflanzungen – wenn noch keine Feinwurzeln außerhalb des Ballentuchs gebildet worden sind – kann der Impfstoff mit einem Einstich mit dem Spaten direkt an den Außenrand des Ballens abgelegt werden. Hierzu kann mit der flachen Spatenseite am Ballentuch/ an der Drahtballierung entlang eingestochen werden.

Stehen die Gehölze bereits etwas länger – und es sind schon frische Feinwurzeln außerhalb des Ballens vorhanden – sollte der Spaten im rechten Winkel (mit der Spatenblattkante zum Ballen) angesetzt werden, um möglichst wenige Feinwurzeln mit den Spateneinstichen zu verletzten.

Um möglichst wenig Feinwurzeln zu beschädigen sollten die stammnahen Einstiche radial (mit der Spatenblattkante zum Stamm) ausgerichtet sein

100 ml Impfstoff (ein halbes Wasserglas voll) werden in den Spalt der Impfstelle eingebracht; danach noch einmal mit dem Spaten nachschieben, damit der Impfstoff auch die tieferen Bereich erreicht; antreten – fertig!

Die Anzahl der Einstichstellen und somit der erforderlichen Impfstoffmenge, bemisst sich auch hier wieder am Stammumfang:

Pro 7 cm Stammumfang wird eine Einstichstelle mit 100 ml Impfstoff berechnet.

Somit erhält z. B. eine Eiche (STU = cm Stammumfang)

Bei der Großbaumverpflanzung:

Bei den Großbaumverpflanzungen der Deutschen Großbaum Gesellschaft (Fa. Opitz in Heideck) wird nahezu bei allen Verpflanzungen Mykorrhiza eingesetzt. Hier kann der Impfstoff direkt auf die freiliegenden Feinwurzeln aufgestreut werden. 

Transport eines Großbaums mit einer Verpflanzmaschine

Pflanzung des Großbaums mit der Verpflanzmaschine

Fachgerechte Wurzelbehandlung vor der Mykorrhizabeimpfung

Mykorrhiza-Impfstoff wird auf die Feinwurzeln aufgestreut; danach wird die „Reha-Zone“ wieder aufgefüllt

Beimpfung von Altbäumen:

Auch an Altbäumen können Mykorrhiza-Beimpfungen durchgeführt werden. Die Übertragung der Mykorrhiza funktioniert genauso gut wie an Jungbäumen – denn auch die Feinwurzeln von Baumveteranen sind niemals wirklich alt. Normalerweise erreichen Feinwurzeln, egal wie alt der Baum ist, nur ein Alter von 2 bis 5 Jahren.

Bei Altbäumen werden die Impfstellen über den Wurzelraum verteilt

Pro 10 cm Stammdurchmesser werden bei Altbaum-Beimpfungen drei Impfstellen mit jeweils 125 ml Impfstoff benötigt

  • Die Impfstellen werden gleichmäßig auf den Wurzelraum (Kronenprojektionsfläche) verteilt
  • Je Impfstelle werden 125 ml Impfstoff eingebracht
  • Vorsichtig einstechen, um Wurzelverletzungen zu vermeiden
  • Geringster Abstand zum Stamm ca. 1 m (0,5 m bei engen Baumscheiben)

In der Regel erfolgt auch die Beimpfung an Altbäumen mit dem Spaten. Der ganz große Vorteil bei der Spatenbeimpfung ist die fast immer richtige Einbringtiefe. In lockerem Gartenboden wird die Länge des Spatenblattes fast vollständig genutzt, der Impfstoff erreicht eine Tiefe von 25 – 30 cm. Bei stark verdichteten Böden sind manchmal nur 5 – 10 cm Bodentiefe möglich. In beiden Fällen werden die Bereiche mit der höchsten Feinwurzeldichte erschlossen. Der Spaten „weiß“ wie tief er stechen muss, um die meisten Feinwurzeln zu erreichen!

In manchen Fällen – bei extremer Verdichtung oder „knochentrockenen Böden“ – kann auch eine Bohrmaschine hilfreich sein. Hierbei kann man einen Balkenbohrer verwenden. Bei maximal 30 cm Bohrerlänge sollte man sich (z. B. mit Klebeband) eine Markierung machen, damit die Bohrlöcher nicht zu tief werden. Nach dem Einfüllen des Impfstoffs können noch verbleibende Reste des Impflochs mit Sand, feinkörnigem Kies oder Lava (jeweils ohne Nullanteil) aufgefüllt werden.

Akku-Bohrmaschine mit 20 mm Balkenbohrer

Auffüllen der Impfstelle mit Impfstoffs aus einem Messbecher

Das direkte Ausbringen mit Bodenbelüftungsgeräten können wir nicht empfehlen, weil der Impfstoff hierbei fast immer zu tief in den Boden eingebracht wird. Auch sind nicht alle Lanzensysteme gleichermaßen gut geeignet die  im Impfstoff vorhandene Torfbestandteile in den Boden einzublasen, ohne zu verstopfen. Wo eine Luftlanze zum Einsatz kommt, um Bodenbelüftungen durchzuführen, kann man aber die verbleibenden Löcher zur Beimpfung gut nutzen. Ähnlich wie bei den Löchern, die mit einem Balkenbohrer entstehen, setzt man auch hier einen Trichter auf und füllt 125 ml Impfstoff ein. Meistens sind die verbliebenen Löcher 25 bis maximal 40 cm tief (bitte vorher mit einem Stab/Zollstock prüfen), so dass der Impfstoff in geeignete Wurzelbereiche fällt. Sind die Löcher tiefer, kann auch hier – unter- und oberhalb des Impfstoffs mit Sand, feinkörnigem Kies oder Lava (jeweils ohne Nullanteil) aufgefüllt werde.

Hilfreiche und schädliche Maßnahmen zur und nach einer Beimpfung

Grundsätzlich sind alle baumpflegerischen Maßnahmen, die sich positiv auf den Baum auswirken, auch hilfreich für die Mykorrhizapilze. Zudem werden „unsere Impfstoffe“ so hergestellt, dass die enthaltenen Pilze deutlich robuster sind als die zu beimpfenden Pflanzen. Nur bei der Düngung (Startdüngung zur Pflanzung) ist ein wenig Aufmerksamkeit geboten. Hier sollten möglichst nur langsam fließende (umhüllte) Dünger zum Einsatz kommen.  Optimal sind Dünger mit 12-14 Monaten (oder noch längerer) Laufzeit. Wir verwenden Osmocote mit 12-14 oder 16-18 Monaten Freisetzungszeit. Im Gewächshaus haben wir schon erlebt, dass die Düngekügelchen von Pilzhyphen „umsponnen“ werden. Durch die langsame Freisetzung entstehen hier keine zu hohen Konzentrationen. In Baumschulen sollte für N und P der „C-Dünge-Bereich“ nicht überschritten werden.

Bei Verdacht auf eine hohe Salzbelastung am Standort verwenden wir Dünger mit einem höheren Kaliumanteil, Wässern stark nach der Belastung im Winter und wenden Huminstoffe an.

Umhüllte, langsam fließende Dünger passen gut zu Mykorrhiza-Beimpfungen

Unser Favorit – umhüllt, lange Laufzeit und viel Kalium

Der fachgerechte Einsatz von Huminstoffen (z. B. Perlhumus) und Superabsorbern (z.B. Stockosorb) bei gleichzeitiger Anwendung von Mykorrhiza-Impfstoffen erhöht fast immer die Erfolgsquote für Anwuchs und Vitalität.

In Leonardit-Weichbraunkohle sind die höchsten Huminstoff-Anteile enthalten (wird als Perlhumus vertrieben)

Stockosorb-Superabsorber stellt pro kg im Boden mehr als 100 l Wasser zur Verfügung

An vielen Standorten kommt es durch Bodenverdichtungen zum Luftmangel.  Dieser ist sowohl für Pflanzen als auch für die Mykorrhizapilze nicht oder kaum erträglich. Dieser Mangel kann durch den Einsatz von Belüftungsgeräten (s. oben) oder durch das Bohren von vertikalen Belüftungsschächten behoben werden. Solche Schächte können auch zur Ableitung von Staunässe genutzt werden.

Der Bohrer an diesem Minibagger erreicht bei 10 cm Durchmesser eine Bohrtiefe von 1,8 m

Lava ohne Feinanteile ist ein optimaler Luftleiter für die Belüftung

Mykorrhizaimpfstoffe sind sicherlich keine Wundermittel aber gerade in der Kombination mit anderen Bodenhilfstoffen und bodenverbessernden Maßnahmen ermöglichen sie einen sicheren Anwuchs und gute Ergebnisse bei der Standortsanierung.